Endlich Listen auf Wall Jump

Unsere Kolleg:innen der sympathischen Gaming-Website SPIELKRITIK haben bereits zum zweiten Mal eine interessante Liste an Spielen veröffentlicht. Chefredakteur Sylvio Konkol hat zunächst im Januar 2020 25 Spiele zwischen 1996 und 2019 handverlesen. Dabei ging es explizit (auch) um Spiele jenseits der großen Schlachtschiffe, die GOTY-Trophäen abgeräumt haben. Spiele, die ihm persönlich wichtig waren, besondere Momente… im Grunde das Zeug, von dem wir hier auf Wall Jump schreiben. Im August 2021 folgten 30 weitere Spiele, dieses Mal rückwärts erweitert bis 1991 und um das Jahr 2020 ergänzt.

Listen haben Konjunktur auf Gaming-Seiten, in Blogs und auf YouTube. Anhand von Listen kann man sich gut erinnern, abgleichen, Menschen desselben Geschmacks finden oder sich selbst mit Expertentum erhöhen und in den Kommentarspalten wie ein Rohrspatz schimpfen. Nun hat Sylvio als guter Chefredakteur mit dem Blick für sogenannte „Engagements“ die Leser:innen dazu aufgerufen, eine eigene Liste zu erstellen, unter dem Artikel oder „gern auch auf euren eigenen Blogs und lasst einen Link da. Ich bin gespannt!“

Bei großen YouTuber:innen, die „total gespannt“ auf die Lieblingswhatevers der Zuschauer:innen sind, sind solche Sätze gelogen. Sie sind nie gespannt auf das, was seitenweise in den fürchterlich benannten „Drukos“ geschrieben wird, reiben sich aber die Hände beim Studium ihrer Analytics. Aber weil es hier um Spielkritik geht, ist das Interesse genuin und eine Reaktion auf den Aufruf geboten. Außerdem hat mich mein WJ-Kollege Joshua angepingt und gefragt, ob ich als Listenfanatiker da widerstehen könnte. Was soll ich sagen – ich kann es nicht.

Neben Sylvios eigenen Regeln, habe ich mir auferlegt, dass meine Spiele nicht auf seinen Listen auftauchen dürfen, was angesichts seines offensichtlich exzellenten Geschmacks eine doofe Regel ist, denn so durfte ich weder killer7, noch Terranigma, Majora’s Mask oder Knights of the Old Republic auswählen, was meine Liste ein bisschen trister macht als nötig. Aber bevor er jetzt noch mit einer dritten Liste von 1986 bis 2021 um die Ecke kommt, halte ich lieber endlich die Schnauze und präsentiere meine 30 Spiele.

Hier also meine unanfechtbare, hochoffizielle, sehr interessante Liste von 30 Spielen aus 30 Jahren, die mir wichtig waren oder so.

1991 Monkey Island 2 Nicht nur 1992 eine prägende, lustige, dichte Spieleerfahrung, sondern auch 2021 noch immer die Genrereferenz, trotz so vieler Versuche anderer Spiele, in die Fußstapfen von Guybrush zu treten.

1992 Das schwarze Auge: Die Schicksalsklinge Stundenlange Versuche, auch das letzte Haus in Daspota zu plündern, blinde Navigation durch Thorwal von Kräuterladen zu Waffenladen und ein Zwerg, der „Zwerg“ hieß.

1993 Doom Gehört eigentlich nicht in so eine persönliche Liste, weil offizielles Flagschiff des Jahres für mehr oder weniger alle, aber weil ich es erst vor kurzem das erste Mal spielte und es mich trotzdem völlig weggeblasen hat, ein würdiger Vertreter.

1994 Wario Land Mein erstes eigenes Spiel war Mario Land 2, aber Wario hat einen viel größeren Eindruck gemacht, mit seinem gigantischen, geheimnisvollen Schatzsuchspiel inklusive Flammenwerfer und mächtiger Rempelattacke.

1995 Donkey Kong Country 2 Darüber muss ich gesondert auf Wall Jump schreiben, ein Satz reicht nicht.

1996 Mario Kart 64 Alle glauben, dass Block Fort das Maß aller Dinge im Battle Mode ist, aber sie irren, weil Double Deck viel geiler ist.

1997 Jedi Knight Ich kann jede der FMV-Szenen mitsprechen, kenne jeden Cheat Code und hatte mal einen Ordner mit 700 Screenshots.

1998 Banjo-Kazooie Ich habe 1998 einen für mich sehr schwer zu erklimmenden Berg erklommen und als ich am Gipfelkreuz war, eröffnete mir mein Vater, dass er mir Banjo-Kazooie kaufen würde, sobald wir in Salzburg ankommen würden und deshalb ist dieser random Berg in Österreich wichtiger als ganz Celeste Mountain.

1999 Unreal Tournament Custom Maps über das 56k Modem runterladen, Bots individuelle Namen wie „Leberwurstklops“ geben, Flak Cannon raus und die sagenhafte Announcerstimme viel zu laut durch die Kopfhörder pusten lassen.

2000 Anstoß 3 Meistgespieltes Spiel aller Zeiten.

2001 Max Payne Jede Szene mit Quickload so oft wiederholen, bis Max perfekt durch den Raum schwebt und in einer flüssigen Bewegung alles vernichtet, was dort wartet.

2002 Metroid Prime Sylvio hat mit Teil 2 schon meinen Favoriten genommen, aber weil 3 ein bisschen doof ist, muss das universell durchaus zu recht gepriesene Prime-Prime herhalten, um die Reihe zu repräsentieren, denn wenn ich ehrlich bin, mag ich Super Metroid gar nicht so sehr *mildshock*.

2003 Freelancer Die unendliche Weite des Alls nicht als lockendes Forschungsabenteuer, sondern als verstörend-beklemmendes lebensfeindliches Nichts, das mich mehr Angst hat spüren lassen als jedes Horrorspiel.

2004 The Legend of Zelda: The Minish Cap Bisschen beknackt, Zelda von diesem unscheinbaren Handheldtitel repräsentieren zu lassen, aber Minish Cap ist in seiner naiven Unschuldigkeit so herzerwärmend, wie Videospiele nur sein können.

2005 God of War Hat auf so viele Arten meinen Horizont erweitert, unter anderem dahingehend, dass ein nintendohaftes Gameplaybrett durchaus auch in einen Setpiece-Gore-Blockbuster gekleidet sein kann, aber auch einfach mit geilem Gore.

2006 Neverwinter Nights 2 2006 war ein Kackjahr, aber ich habe sehr gerne zusammen mit einem Freund via LAN dieses Abenteuer erlebt und den Heiltrank für einen kranken Waldgeist aus Versehen selbst getrunken.

2007 Portal Vielleicht eine etwas langweilige Wahl, aber weil es mich damals völlig unvorbereitet getroffen hat, fühlt es sich so an, als hätte ich eine sehr persönliche Beziehung zu dem Spiel.

2008 World of Goo Noch so ein maues Jahr, durch das mich nur die Atmosphäre des knuddelig-verstörenden Brückenbau-Knetspiels getragen hat. Wie über eine Brücke. Das waren jetzt insgesamt zwei drei Sätze.

2009 war ein ziemlich schlechtes Jahr, für das ich Flower erwähnen könnte, aber das will ich nicht und spare den Platz lieber für 2019.

2010 Limbo Nicht ganz so famos wie Inside, hat aber weniger Konkurrenz im Releasejahr und ist gut genug, um hier stellvertretend für beide zu stehen.

2011 war noch schlimmer als 2009 und ich weigere mich, Rayman Origins aufzuschreiben, spare stattdessen erneut für einen dritten 2019er-Platz.

2012 Virtue’s Last Reward Ich weiß nicht, wie es dazu kam, dass ich eine sehr japanische Visual Novel überhaupt angefasst habe, aber ich ich danke der Person, die mich dazu gebracht hat, denn ich habe diese 30 Stunden weggesogen wie ein fabrikneuer Dyson.

2013 LEGO City: Undercover 2013 hatte bessere Spiele, aber ich hatte nichts von diesem Spiel erwartet und erhielt Stunde um Stunde gute Laune und Freude.

2014 Donkey Kong Country: Tropical Freeze Zwei Spiele aus derselben Reihe in einer Liste ist zwar uncool, aber wenn eine Neuauflage dieselben Gefühle in einem inzwischen 20 Jahre gealterten Gehirn auslösen kann, pfeife ich auf Coolness.

2015 Axiom Verge Eine beunruhigende, alienhafte Isolationserfahrung, die in diesem Aspekt sogar das offensichtliche Vorbild übertrifft *mildshock2*.

2016 Ittle Dew 2 Die besten Dungeons aller Zelda-Spiele gibt es nicht in einem Zelda-Spiel.

2017 What Remains of Edith Finch Wenn ich an das beste Videospieljahr aller Zeiten denke, bleibe ich am meisten an einem zweistündigen Walking-Simulator hängen.

2018 Wandersong Mehr Positivität und Herzenswärme kenne ich aus keinem anderen Spiel, Buch, Film oder Song.

2019 Ich habe hier auf Wall Jump ausführlich über Sayonara Wild Hearts, A Short Hike und Horace gesprochen, die alle drei mehr als würdig hier stehen dürfen und es deshalb auch tun (thx 2009 & 2011 for being so bad).

2020 Astro’s Playroom Wie ein glückliches Kind bin ich strahlend durch dieses Wunderland an Spaß und Spiel gehüpft und wurde nebenbei Zeuge des für mich technisch größten Sprungs zwischen zwei Konsolengenerationen seit dem Übergang in die 3D-Welt.

Mein weiteres Vorhaben: Zu jedem der hier genannten Spiele, sofern nicht bereits geschehen, einen Wall-Jump-Artikel schreiben. Außerdem: Nicht ständig Sachen ankündigen, die schwer einzuhalten sind.


Ich bin wirklich ein Listen-Wahnsinniger. Und Spielkritik ist wirklich eine wunderbare Website.

This article is also available in: Englisch

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