Von Feuerbällen und Flammenwerfern

Ich bin der Slayer, ich bin eine göttliche Gewalt mit Armen voll Anabolika und Taschen voller Sprengstoff, ich bin Doom, ich bin… gerade von rotierenden Mario-Bros-Feuerbällen erwischt worden.

Doom Eternal ist bunt, schnell und lässt kaum eine Gelegenheit aus, daran zu erinnern, dass es ein Videospiel ist. Stört es die heilige Immersionskuh? Sieht Doom Guy so aus, als würde ihn das interessieren?

Bereits der Start des Games stellt ein paar Dinge glasklar. Zur Hölle mit der sterilen Technostyle-UI, muss sich id Software gedacht haben. Verspielt darf es sein, voller Verzierungen und Ornamente, eine Hommage an die Bedienoberflächen der achtziger und neunziger Jahre. Schriftarten wie auf Death Metal Platten, Buttons aus Metall, selbst der Mauszeiger verzögert die Bewegung wie damals, als der hart zusammen gesparte PC bereits vom Introscreen des neuesten Must-Have-Titels überfordert war.

Dooms Gameplay ist mehr Slapstick als Gorefest. Platzende Köpfe und herausgezerrte Augäpfel erzeugen frivole „Plöpp“-Geräusche, Glory-Kill-Animationen erinnern an die Albernheiten der Looney Tunes, nur morbider. Ich sammle hell leuchtende 1-Ups und Fragezeichen für nicht-so-versteckte Geheimnisse. Die Arenen mit in Wellen spawnenden Gegner fühlen sich an wie ein etwas hektisches Knobel- und Positionsspiel, bei dem jeder clevere Zug mit lustigen Animationen der vertrauten Feinde belohnt wird, die nicht selten kurz darauf wie eine Piñata aufbrechen. Weihnachten im Spaßbad ist nichts dagegen.

Was soll das auch mit der ganzen aufgesetzten Seriosität, wir spielen hier den Urenkel eines Games, das im Alleingang ein ganzes Genre definiert und Kellerkinder zur infantilen Verzückung gebracht hat. Der seltsame Widerspruch von Gewalt als Mittel, emotionale Reife und „Erwachsen-Sein“ auszudrücken und einem überdrehten Setting jenseits jeder denkbaren Realität hat schon so mancher Zensurbehörde Rätsel aufgegeben. Verherrlicht Doom Gewalt, tun First-Person-Shooter das per se oder sind die Geschehnisse auf dem Screen so absurd wie der Fiebertraum einer Monty-Python-Parodie?

Weil der Reboot von Doom 2016 und der Nachfolger Doom Eternal dieses Paradoxon willkommen heißen, haben sie auch keine Hemmungen, frech und ungeniert abzukupfern, zu trollen und zu kommentieren. Deswegen geben NPCs Meta-Kommentare wie Glados ab, deswegen musste ich lachen, als die Feuerbälle rotierten und ich mich für einen Moment eher in Bowsers Schloss als in der höllischen Welt von Doom wähnte. Es ist Spaß mit einer herzhaften Portion Purismus und Selbstironie. Nicht zuletzt vielleicht etwas, was diese Welt derzeit sehr gut gebrauchen kann.


Doom Eternal, erschienen 2020, ist der Nachfolger des 2016 erschienen Doom (beides entwickelt von id Software), das als eine Art Reset der Reihe von Kritik und Fans für seine Kompromisslosigkeit und Rückkehr zu den Ursprüngen der Serie gefeiert wurde. Die Spiele scheinen deshalb vieles richtig zu machen, weil sie beim Wettrüsten um mehr „Realität“ nicht wirklich mitspielen und stattdessen das Medium in seiner einzigartigen „Gameyness“ zelebrieren.

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