Steam Deck: Schall und Rauch

Wie viele andere habe sehr auf eine Switch Pro gehofft – bekommen haben wir stattdessen Steam Deck. Nun könnte es sich um eine klassische Win-Win-Situation handeln: Die Switch bleibt fester Bestandteil für die typische Nintendo-Unterhaltung. Doch mit dem angekündigten Handheld von Valve kann ich unkompliziert, komfortabel und ortsungebunden in die Welt der PC-Spiele eintauchen. Ein standardisiertes Interface und einheitliche Hardware ermöglichen es Entwicklern die beste Erfahrung für mobilen Spielspaß zu schaffen.

Allerdings sind bei der Hochglanz-Präsentation trotzdem ein paar Fragen geblieben. Zum einen ist das Gerät recht groß und schwer. Ist das wirklich so komfortabel, wie es zunächst den Anschein hat? Natürlich erfordern viele klassische PC-Spiele oft einen großen Bildschirm und die entsprechende Technik braucht auch Platz. Doch bevor ich unnötige Kompromisse eingehe, bleibt immer noch der Laptop als Alternative. Und genau mit dem muss ich Steam Deck messen.

Es mag sein, dass so mancher Konsolen-Besitzer, der mit der Switch geliebäugelt hat, nun in Steam Deck verliebt ist – bessere Hardware, anspruchsvolleres Line-Up. Doch Laptop auf dem Schoss ist ebenfalls keine schlechte Option. Warum also sollte ich für mich das Produkt von Valve entscheiden? Keine Lust auf das Auseinandersetzen mit technischen Spezifikationen? Will ich etwas, das ich einfach nur einschalten muss und fertig ist der Lack?

Ich kann verstehen, warum der Preis für Valve „schmerzhaft“ war. Für gut 400 Euro bekommst du keine Gaming-Laptop-Erfahrung, bei der du sagst: „Mega!“. In diese Lücke könnte Steam Deck springen. Doch auch Steam Deck muss ein paar Abstriche machen. Und wenn am Ende trotzdem keine Games wie Destiny 2 oder PUBG drauf laufen, wozu dann wechseln?

Dazu kommt, dass Gewicht und Anordnung der Sticks und Tasten ebenso „schmerzhaft“ für die Spielerfahrung sein könnten wie für Valve der Preis. Und obwohl die Kosten im Vergleich zu konventioneller Gaming-Hardware niedrig sind, sind es 400 bis 700 Euro. Dazu kommt: Ich kann meinen PC heute schon sehr einfach an den Fernseher anschließen und mit dem Steam-Controller sogar einen klassische Konsolen-Erfahrung imitieren.

Mein persönliches Killer-Feature sind nicht das Dock zum Anschluss an den Fernseher, die Acht-Stunden-Akkulaufzeit, Hifi-Audio oder die Pause-Funktion, sondern die Gyro-Sensoren. Das sage ich, weil ich sie schon auf dem Nintendo 3DS geliebt habe. In der Kombination mit dem Stick kannst du schnell und vor allem präzise dein Ziel in einem Shooter anvisieren. Das setzt jedoch voraus, dass Entwickler dieses Feature bei der Entwicklung berücksichtigen.

Games, die für Steam Deck optimiert werden – in Sachen Technik und Gameplay – könnten den Unterschied machen. Im Hinblick auf bisherige Ausflüge von Valve in Sachen Hardware sind meine Hoffnungen allerdings ebenso gedämpft wie meine Interesse an Steam Deck an sich. Valve will seine Kanäle ohne großen Aufwand erweitern, aber plant keine Revolution. Nintendo Switch und Laptop erscheinen mir als die bessere Kombination gegenüber Steam Deck und Laptop. Große Bedeutung im Westen messe ich der Hardware nicht bei.

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