Schneegestöber

Zugegeben, in einer Rubrik über Musik und Sounds aus Videospielen einen Text über die Hintergrundmusik der Phendrana Drifts aus Metroid Prime zu schreiben, ist nicht sonderlich originell. So unoriginell, dass der Verfasser dieses Textes davon bisher zumindest über ein Jahr bewusst Abstand genommen hat. Doch letztendlich ist etwas nur, weil es populär ist, nicht gleich schlecht. Und so habe ich nun doch das Gefühl, ein paar Worte verlieren zu wollen. Wer mich kennt, weiß, dass ich für Videospielmusik nicht sonderlich viel über habe. Mir ist zwar klar, wie wichtig die richtige Untermalung für das Spielerlebnis ist, und natürlich pfeife ich manchmal heimlich die Melodie von Level 1-1 von Super Mario Land vor mich in, ich habe aber nie verstanden, wieso Menschen in ihrer Freizeit Videospielmusik hören, statt zu dem, was ich für richtige Musik halte, zu greifen.

Vielleicht ist aber auch genau das der Grund, wieso ich die Musik von Metroid immer besonders mochte. Denn wie wenige Spiele legt Metroid weniger Wert auf epische Hymnen, sondern stellt vor allem die besondere Atmosphäre des Spiels in den Vordergrund. Wie besonders das ist und wie schnell das schief gehen kann, hat Nintendo selbst in seinem Werbespot zu Metroid Prime unter Beweis gestellt, der das Spiel offensichtlich den amerikanischen Spieler:innen mit generischen Rock-Riffs als brachialen Action-Shooter verkaufen sollte:

Zum Glück hatte Komponist Kenji Yamamoto ein besseres Verständnis von all dem, das Metroid bereits auf NES und Super Nintendo ausmachte und von den Retro Studios so hervorragend in die dritte Dimension überführt wurde. Und so schuf er einen Soundtrack, der sich Motiven der alten Spiele bediente, dabei aber noch mysteriöser klang, als je zuvor.

Die Musik in den Phendrana Drifts ist dabei innerhalb des Scores nichtmal herauszuheben – denn der gesamte Soundtrack, der sich zwischen Ambient und Trip-Hop-Beats bewegt, erschafft in jeder Sekunde des Spiels die manchmal feindliche, aber vor allem fremde Welt, die Samus Aran erkunden muss. Doch gerade der Moment, in dem man die Phendrana Drifts nach einer Höhle das erste mal betritt, im Schneefall kurz innehält, bevor man sich über einen vereisten See zu einem Durchgang in einer Ruine aufmacht, bringt diese perfekte Fusion aus Audio- und Grafik-Design einfach auf den Punkt.

Und so ist es nicht der größte Midi-Ohrwurm oder die nächste Richard-Wagner-Imitation, sondern ein Musikstück, das erst an seinem Spielort seine volle Wucht entfaltet: Würde ich eine Rangliste der besten Videospielmusik aller Zeiten machen, wäre „Ice Valley“, das Thema der Phendrana Drifts von Kenjy Yamamoto und Kouichi Kyuma, daher meine definitive Nummer 1.


Fans der Metroid-Spiele warten seit Jahren auf einen vierten Teil der Metroid-Prime-Reihe. Gründe gibt es viele, der faszinierende Soundtrack von Kenji Yamamoto, ist aber ganz sicherlich einer davon.

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