Dead End

Der Game Boy war ein tolles Weihnachtsgeschenk – warum meine Großeltern mir dazu aber ausgerechnet KungFu Master und Mystic Quest schenkten, weiß ich bis heute nicht genau. An der jeweiligen Cover-Gestaltung kann definitiv nicht gelegen haben. Und während KungFu Master mich nur wenig fesseln konnte, entpuppte sich Mystic Quest als wahrer Glücksfall. Schon die Titelmelodie von Kenji Ito hatte es in sich: Zunächst melancholisch und schwermütig, später zunehmend euphorisch. Aufbruchsstimmung. Der Beginn eines riesigen Abenteuers.

Viele, viele Stunden habe ich mit dem Spiel verbracht und dennoch erinnere ich mich nur noch bruchstückhaft (und möglicherweise nicht mehr korrekt) an einzelne Momente und Orte. Medusa musste man einen Spiegel entgegenhalten. Oder einem Vampir. Oder so ähnlich. Um zwei Bäume in der Wüste musste man eine „8“ laufen, damit sich ein geheimer Höhleneingang in den Felsen offenbarte. Bis heute bin ich mir nicht sicher, wie ich dieses Rätsel jemals lösen konnte. Vielleicht stand das auch auf einer der „Tipps & Cheat“-Seiten des Nintendo Club-Magazins. Von irgendeinem alten Mann bekam man eine Axt, mit der sich Bäume fällen und ganz neue Wege freilegen ließen. Und auch wenn ich einzelne Gegnertypen und Bosskämpfe noch rudimentär vor Augen habe, kann ich mich ansonsten kaum noch an Details erinnern. Das könnte letztlich auch daran liegen, dass ich einige Sachen verdrängt habe. Denn auch wenn ich ziemlich planlos durch die große Welt stolperte, kam ich dem Ende irgendwie doch immer näher. Zumindest bis mein Bruder den Game Boy samt Mystic Quest in die Hände bekam und meinen Spielstand zum falschen Zeitpunkt und am falschen Ort abspeicherte: Dead End. Und bei all den bruchstückhaften Erinnerungen an das Spiel ist mir dieser Ort noch sehr bewusst. Ein Raum mit künstlichem Wasserfall. Links und rechts eine Tür, beide geschlossen. Kein Schalter, keine Schlüssel im Inventar, keine Möglichkeit eine der Türen zu öffnen um den Raum zu verlassen. Dead End.

25 Jahre nach der Veröffentlichung von Mystic Quest erschien 2016 ein Remake unter dem Namen Adventures of Mana. Zahlreiche Reddit-Threads geben Aufschluss darüber, dass das Problem auch in der Neuauflage noch präsent zu sein scheint. Mein Lieblingszitat aus einem dieser Threads: „I have accidently saved in a room where I can’t get out because I need keys, is there anyway to smash down these doors?“


Final Fantasy Adventure, ursprünglich in Japan als Seiken Densetsu: Final Fantasy Gaiden und später in Europa als Mystic Quest erschienen, ist ein Final Fantasy-Spinoff und das erste Spiel der Mana-Serie. Square veröffentlichte das Spiel 1991 für den Game Boy.

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