Wie einst Ottmar Hitzfeld

Es läuft die 78. Spielminute. Höning läuft mit dem Ball. Der tödliche Pass auf Zeidler und unhaltbar versenkt. Ich nicke anerkennend und setze zufrieden zwei Striche hinter „Zeidler“ und einen hinter „Höning“.

Bis heute findet man im Internet Tricks, wie man seine Mannschaft im legendären Fußball-Manager Bundesliga Manager Hattrick effektiv ausnimmt: „Bietet Euren Spielern Verträge mit 1 Jahr Laufzeit und 200.000 DM Gehalt an. Nachdem der Vertrag angenommen wurde, bietet Ihr sofort einen neuen Vertrag an. Diesmal aber mit einem Gehalt von 1 DM! Da mit einem solchen Gehalt niemand zufrieden ist, beginnt eine mehrwöchige Schmollphase. Danach verlangen die Spieler nur noch Gehälter zwischen 2.000 und 15.000 DM.

Ganz ehrlich: Das ist auf mehreren Ebenen nicht in Ordnung. Aus mechanischer Sicht ist es ein billiger Exploit, der so nah an einem Cheat ist, dass die Unterscheidung überflüssig wird. Aus menschlicher Sicht ist es noch viel fragwürdiger, aber zumindest nicht unrealistisch, wenn man meine unfundierten Vorstellungen vom Fußball-Business zugrunde legt.

Ich habe zu solchen dreckigen Tricks nie gegriffen. In den hunderten Stunden, die ich in dieses Spiel und seinen Vorgänger BM Professional gesteckt habe, habe ich mich hervorragend um meine Mannschaft gekümmert und gleichermaßen für ihr Wohlbefinden und gesunde Finanzen des Vereins gesorgt. Lieber eine Saison länger in der Oberliga verweilen, als ein gieriger Manager zu sein.

Ich habe damit vielleicht ein bisschen am intendierten Vorgehen vorbei gespielt, aber ich hatte ein gutes Gewissen. Und weil ich nicht nur integer bin, sondern damals auch ein Kind war, habe ich ein Belohnungssystem entwickelt: In einem komplexen und langwierigen Verfahren brachte ich die Spieler trotz sehr unterschiedlicher Stärken auf ein einigermaßen gleiches Gehaltsniveau. Bei manchen bedeutete dies einen enormen Gehaltssprung und bei anderen, dass ich in zähen Verhandlungen und mit eloquenten Monologen an ihre Solidarität appelliert habe. Ich will nicht ausschließen, dass ich mit dem gigantischen Röhrenmonitor gesprochen habe. Ich habe das Spiel… kreativ um narrative und soziale Elemente erweitert.

Mit diesem einigermaßen einheitlichen Grundsockel startete ich in die Saison. Neben dem Computer lag stets eine große Liste bereit, auf der ich händisch alle Spielernamen notierte. Wann immer ein Tor fiel ging ich vor wie in der Einleitung des Textes beschrieben und nach jedem Spiel ging es in die „Gehaltsverhandlungen“, die darin bestanden, dass ich den entsprechenden Spielern eine minimale Erhöhung anbot, die dankend angenommen wurde. Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, frage ich mich, welches Kompensationsmodell ich mir für Abwehrspieler und Torhüter ausgedacht habe, aber ich bin mir sicher, es war ausgefeilt und gerecht.

Was ich erinnere: Gegen jede Vernunft rotierte ich wie einst Ottmar Hitzfeld und brachte die größten Gurken aufs Feld, damit auch sie eine Chance auf eine Gehaltserhöhung hatten. Und mein erfolgreichster Spieler durfte auch dann beim Verein bleiben, als alle anderen schon längst durch Neuzugänge aus Brasilien und Portugal ersetzt worden waren. Er war eine Legende des Vereins und machte den ganzen Weg von der Oberliga bis zur Meisterschaft mit. Seine formale Spielstärke war zwar geringer als die aller anderen, aber er war bis zum Karriereende Stammspieler. Und traf zuverlässig.


Die Bundesliga-Manager-Reihe (1989-2001) besteht aus sieben Teilen. Die 1991er und 1994er Versionen, von Experten wie mir BMP und BMH genannt, haben mich viele Jahre lang zuverlässig begleitet, doch wie so viele andere bin ich spätestens mit Anstoß 3 zur Konkurrenz gewechselt. Das Genre ist seither nicht mehr dasselbe gewesen, EA dominierte es jahrelang mit ihrem lieblosen Fußball Manager und hat mir jeden Spaß daran verdorben. Und obwohl der genauso originell betitelte Football Manager von Sports Interactive ganz großartig sein soll, würde ich doch lieber nochmal eine Saison mit BMH oder Anstoß 3 verbringen.

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