Fortnite Spielplatz

Ich wohne direkt neben einem Spielplatz und genieße das. Neben Rufen wie »Oma, der dumme Junge hat schon wieder dahin gespuckt!«, wird man während der Gartenarbeit Zeuge einiger äußerst interessanter Spielplatzspiele. Neulich habe ich beispielsweise ein paar Kindern dabei zugesehen, wie sie Fortnite spielten.

Es waren fünf Kinder mit zehn NERF-Guns in allen nur erdenklichen Größen. Zunächst beschossen sie sich einfach nur und unterlegten den Spielplatz währenddessen mit fröhlichem Kindergeschrei, zum Beispiel »Du bist tot!«, »Ich habe dich erschossen!« oder »Ich bringe euch alle um!«. Es ist diese kindliche, lebensbejahende Grundeinstellung des Spielplatzes, die mir täglich dabei hilft, morgens das Bett zu verlassen und all dem Mist da draußen doch noch eine Chance zu geben.

Irgendwann kam die Gruppe auf die Idee, Fortnite zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt waren keine anderen Kinder auf dem Spielplatz, wodurch es ein Leichtes war, ihn in eine »Battle Royale«-Insel zu verwandeln.

Vier Kinder setzten sich in eine zentral gelegene, kleine Hütte, hielten sich die Ohren zu und schlossen die Augen. Kind Nummer fünf übernahm für diese Runde die Rolle des neutralen Schiedsrichters. Bevor es losgehen konnte, lief es über den Spielplatz und versteckte die NERF-Guns. Hinter Büschen, auf dem Dach der Rutsche, unter einem Klettergerüst und so weiter. Als es fertig war, gab es das Startsignal und die Kinder wurden über der Insel abgeworfen.

Wie bei Fortnite rannten die Kinder in unterschiedliche Richtungen, um so schnell wie möglich eine Waffe zu finden. Statt Häusern durchsuchte man die unterschiedlichen Bereiche des Spielplatzes. Der Einsatz der Fäuste oder Nicht-NERF-Guns war übrigens untersagt.

Jedes Kind verfügte über drei Lebenspunkte. Ein Treffer zog einen Lebenspunkt ab. Damit jetzt aber nicht das Kind, das die erste Waffe gefunden hatte, sofort alle Gegner ausschalten konnte, befanden sich in jeder Waffe lediglich zwei Schuss. Wer eine Waffe fand, konnte somit einer Person zwar zwei Lebenspunkte abziehen, eine sofortige Tötung war jedoch nicht möglich. Es mussten weitere Waffen gefunden oder die verfügbaren nachgeladen werden.

Es entstand ein wahnsinnig dynamisches Spiel. Während zwei Kinder bereits bewaffnet waren und aufeinander schossen, lief ein anderes herum und sammelte die abgefeuerte Munition ein, um sie selbst für eine hoffentlich bald gefundene Waffe verwenden zu können. Als die anderen keine Munition mehr hatten, war es auf einmal das zuvor unbewaffnete Kind, das die Führung übernahm, als es seine mittlerweile gefundene Waffe dank der aufgesammelten Munition vollständig laden und mit gezielten Schüssen den ersten Mitspieler ausschalten konnte.

Eine Runde dauerte nur wenige Minuten. Es waren schließlich nur vier aktive Spieler anwesend. Trotzdem faszinierte mich das Spiel mit all seinen ausgedachten Regeln. Selbstverständlich ging das alles nicht lange gut. Plötzlich wollten zwei Kinder gleichzeitig Schiedsrichter sein. Es wurde gestritten. Einer drohte sogar damit, dem anderen beim nächsten Geburtstag keinen Kuchen abzugeben.

Nach etwa zwei Stunden voller Geballer, Gerenne und Gebrülle entschied die Gruppe, sich aufzulösen. Es war Zeit für das Abendessen. Man verabschiedete sich mit den Worten »Wir sehen uns später noch online!« voneinander, denn nach dem Essen wollte man zusammen ein wenig Fortnite spielen.

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