Notre-Dame

Paris im Frühling. Eine dieser Städtereisen, die man irgendwie mal gemacht haben muss. Also habe ich mich 2019 in den Zug gesetzt, um ein verlängertes Wochenende in der französischen Haupstadt zu verbingen, viel Wein zu trinken und natürlich die Sehenswürdigkeiten vom Eiffelturm bis zum Louvre abzuklappern. Ganz besonders hatte ich mich allerdings auf Notre-Dame gefreut: Hier durfte ich als Kind einmal mit dem Schulchor auftreten, übrig blieb eine eher verstörende Erinnerung, in Chorknaben-Robe als Fotomotiv für ältere Touristen gedient zu haben. Dieses mal war ich nun endlich selbst der Tourist, der sich das gotische Bauwerk mit seinen berühmten Chimeren und die eindrucksvollen Altäre im Innenraum ansehen konnte.

Nur ein paar Wochen später vibrierte das Handy. Eilmeldung: Feuer in Notre-Dame. Die nächsten Stunden verbrachte ich vor dem Fernseher und sah wie der Rest der Welt zu, wie Teile dieses Weltkulturerbes von den Flammen vernichtet wurden.

Doch Notre-Dame ist nicht verloren.

Schon in den kommenden Tagen machte Assassin’s Creed Unity Schlagzeilen. Denn für die Darstellung des mittelalterlichen Paris im Spiel hatten die Entwickler bei Ubisoft ein detailliertes Modell von Notre-Dame nachgebildet, für das die Kathedrale in alle Details ausgemessen wurde. Diese Daten sollten nun für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden. Ich wollte nicht so lange warten. Assassin’s Creed Unity stand schon lange in meiner Sammlung, länger gespielt hatte ich es nie. Doch nun bot es die Möglichkeit, diesen Ort zu begutachten. Genauer, als es in Paris selbst möglich war. Ich konnte mit der Spielfigur die Fassaden hochklettern, mich neben die Wasserspeier setzen, den Aufbau des Kirchenschiffes mit seinen mächtigen Seitenstreben begutachten – und zwischen den virtuellen Passanten besser verstehen, wie dieses Bauwerk die Architektur einer Epoche prägen konnte. Und obwohl ich Notre-Dame zweimal besucht hatte – wirklich gesehen habe ich es erst, als es bereits in Trümmern lag.


Assassin’s Creed Unity erschien 2014 für PlayStation 4 und Xbox One. Während viele Fans vom facettenreichen Gameplay als meuchelmördernder Assassine gefesselt waren, konnte mich die detaillierte Darstellung von Paris zur Zeit der französischen Revolution am meisten beeindrucken.

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