Nachgebohrt

Es gibt eine Generation, für die gehörten Amiga und C64 zu einem goldenen Zeitalter der Videospiele. Es war der erste Kontakt mit diesem damals noch sehr jungem Medium und eine solche Liebe hält meist ein Leben lang. Doch während vermutlich die allermeisten dieser Generation mit leuchtenden Augen von Giana Sisters, Rainbow Islands und Lemmings schwärmen, bin ich auf einem ganz anderen Spiel hängengeblieben, das mich ebenso nachhaltig geprägt hat.

Es beinhaltet alle Elemente, die mich bis heute an einem Spiel reizen. Es gibt ein strategisch, logisch erscheinendes Fundament, damit der Kopf was zu hat, aber der Geist aufgrund der sich wiederholenden Muster trotzdem nicht zu sehr gefordert ist. Gepaart wird dieses mit absurden und dazu teils unfair schwer erscheinenden Mechaniken. Ich würde diese Aspekt als Zuckerbrot und Peitsche bezeichnen. Ein gewisser Sadomasochismus wird den Deutschen ja ohnehin nachgesagt. Nicht ohne Grund gehört Excel hierzulande weiterhin zu den beliebtesten spielerischen Beschäftigungen und FIFA ist in jedem Jahr das meist verkaufte Spiel, gefolgt von der Vorjahresversion auf dem zweiten Platz.

Doch zurück zum Amiga und meiner wahnhaften Liebe aus jener Zeit. In Oil Imperium musste ich politisch-inkorrekt nach Öl bohren und im jungen Amerika mein Unternehmen zum Schotter führen. Als politisch-inkorrekt bezeichne ich das Spiel deshalb, weil bei einem Zwischenfall nicht die Umweltkatastrophe zum Problem für meine Firma wurde, sondern der finanzielle Ausfall, wenn das ganze Öl wieder im Boden versickerte. Und tatsächlich passierte mir das ziemlich häufig. Eine Hassliebe. In Oil Imperium bestand eine Bohrung aus einem Minispiel, bei dem ich den Bohrkopf möglichst mittig halten musste.

Um den Bohrkopf in der Mitte zu halten, stand mir immerhin ein Joystick zur Verfügung. Das ist ein Zubehör, an das sich inzwischen wahrscheinlich auch nur richtig alte Menschen erinnern. Der Steuerknüppel erinnert an den eines Flugzeugpiloten und ermöglicht präzise Lenkung in einem Shooter oder eben auch beim Bohren nach Öl. Zumindest in meiner Erinnerung war es ein gutes Gefühl, damit zu arbeiten. Ich weiß allerdings ebenfalls sehr genau, dass ich selten erfolgreich war, wenn ich selbst bohrte und mich nicht auf den Computer verlassen habe. In der Konsequenz war ich nach ein oder zwei Geschäftsjahren bankrott und begann voller Freude von vorn.

Ich weiß nicht mehr, was mich damals getrieben hat, stoisch Unternehmen gegen die Wand zu fahren und parallel dazu gedankenlos die Umwelt zu verschmutzen – ob es wirklich in den Genen liegt oder nur eine Fehlschaltung im Gehirn ist. Aber schließlich soll ja in der Liebe alles erlaubt sein.


Oil Imperium von Reline Software erschien 1989 für die damals aktiven Plattformen Amiga, Commodore, Atari und PC auf Diskette. Das kleine Entwicklerstudio aus Hannover hat in den neunziger Jahren unter anderem auch die frivole Krankenhaus-Simulation Biing! entwickelt. Es wurde 2002 geschlossen. Die Rechte für Oil Imperium liegen heute bei Archangel Studios.

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