Bedingungslose Liebe

Bedingungslose Liebe – kann so etwas wirklich existieren? Und wenn es sie gibt, wie ließe sich dieses Gefühl beschreiben? Können wir Worte dafür finden? Allein schon die Liebe zu erklären, scheint unmöglich. Sie irrational und folgt keiner Logik. Über sie wurde viel philosophiert und doch gibt es keine universelle Antwort. Die Weltformel für die Liebe bleibt eine Gleichung mit lauter Unbekannten – und ihr Ergebnis ist stets ungenau.

Xenoblade Chronicles 2 probiert sich trotz trüber Aussichten daran. Und obwohl es viel Kitsch zusammenträgt, gelingt es Monolith Soft, die ungenaue Beschreibung weiter zu präzisieren. Vorangestellt wird nämlich bereits eine bedingungslose Liebe zwischen einer Klinge und ihrem Meister. Es ist allerdings eine sehr ungleiche Liebe. Während Klingen aus ihrem kristallinem Zustand durch die Berührung mit einem Menschen erwachen, allein ihm dienen und keine Zweifel an seinem Handeln haben, sind Menschen in ihrer Liebe frei. Manche Menschen verlieben sich ebenfalls in Klingen und betrachten sie als gleichwertige Partner. Andere sehen in ihnen nur ein Werkzeug.

Dieses Thema der bedingungslosen Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Spiel. Eine ganz besondere Liebe entfacht sich aber zwischen einem Helden mit einem kindlichen Herz und einer außergewöhnlichen Klinge mit der Macht, alles Leben auf der Welt zu zerstören. Seine unverdorbene Reinheit und ihr eigener Wille machen sie zu den untypischen Ausnahmen im Kräfteverhältnis zwischen Menschen und Klingen.

Als er gleich zu Beginn des Spiels hinterrücks ermordet wird, teilt sie ihr Leben mit ihm, weil sie spürt, dass er anders ist. Und ohne sich ihrer Macht tatsächlich bewusst zu sein, verspricht er ihr, sie auf ihren Wunsch an einen sagenumwobenen Ort zu bringen – Elysium. Auch er macht dies ohne eine Bedingung zu stellen. Er sieht jedoch die Chance seine sterbende Welt retten, damit niemand mehr in Angst leben muss. Und er ist bereit, dafür alles zu geben. Es ist ein Rollentausch zwischen Mensch und Klinge, der hier symbolisch auch zwischen dem männlichen Helden und der weiblichen Klinge bzw. dem kindlichen und dem erwachsenen Charakter erfolgt.

Es ist eine ganz besondere Begegnung ziemlich zum Anfang des Spiels, deren wirkliche Bedeutung jedoch erst viele, viele Stunden deutlich wird. Dann aber ist diese Botschaft ganz klar zu sehen. Sie zeigt sich auf so vielfältige Weise und durch so viele Facetten, dass Xenoblade Chronicles fast als ein Kompendium über Liebe verstanden werden kann. Ich war zutiefst davon berührt. Liebe ist möglich. Und wahrhaftige Liebe ist immer bedingungslos.

Eine Frage allerdings bleibt uns auch Xenoblade Chronicles 2 weiterhin schuldig. Die Natur kennt Triebe, aber woher nur keimt die Liebe?


Xenoblade Chronicles 2 ist ein Rollenspiel von Monolith Soft für Nintendo Switch aus dem Jahr 2017. Es orientiert sich mehr an dem gefeierten Xenoblade Chronicles (Wii, Nintendo 3DS, Switch) als an dem direkten Vorgänger Xenoblade Chronicles X (Wii U). Alle drei Rollenspiele eint eine fantastische, offene Spielwelt und komplexe Spielmechaniken.

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