Außerweltliche Klänge

Manche Spiele geben einem Gefühl, allein einen fremdartigen und feindseligen Ort zu betreten. Die Situation nicht unter Kontrolle zu haben, sondern ihr ausgeliefert zu sein. Meist dauert es aber nicht lange und man durchschaut Leveldesign, Spielablauf und Story. Ab diesem Moment weicht das Erleben häufig dem kontrollierten Spielen. Axiom Verge ist da anders. Denn obwohl es zunächst wie eine Kopie von Super Metroid wirkt und somit vertrautes Gameplay bietet, sorgt das Zusammenspiel aus Storyfragmenten, Pixelart, Gegnerdesign und Soundtrack für ein ganz eigenständiges Spielerlebnis. Wann immer ich glaubte, das Spiel durchschaut zu haben, beunruhigte und verstörte es mich mit etwas Unerwartetem.

Das Gefühl des Spielers spiegelt sich im Verhalten der Spielfigur Trace wider. Erscheint ein Boss, fängt er nicht an, zu kämpfen, sondern zu reden. Er versteht nicht, was mit ihm passiert und hat keine Agenda. Und auch ich als Spieler wusste bisweilen nicht, was ich eigentlich zu tun hatte. So war ich nach einer Weile durch verschiedene Gebiete des Spiels gestolpert und hatte einige Gadgets gesammelt, als ich zum ersten Mal die Höhlen von KUR betrat. Im Übergang zwischen zwei Gebieten erlischt das Bild kurz und die Musik verstummt, bis der Track des nächsten Gebietes einsetzt. Kurz bevor ich wieder etwas sehen konnte, wurde ich von seltsamen, außerweltlichen Gesängen erfasst, die mich eine Weile in Ehrfurcht vor dem, was nun kommt, erstarren ließen. Das Spiel hatte keine Anstrengungen unternommen, mich vor dem Gebiet durch Dialogzeilen oder grafische Elemente wie einem Leichenberg vor dem Eingang zu warnen. Es war ausschließlich der Track „Inexorable“, der dieses Gefühl in mir auslöste und ein wunderbares Unwohlsein verbreitete. Spätestens in diesem Moment wusste ich, dass ich etwas ganz Besonderes spiele. Alles, was mich bisher an dem Spiel irritiert aber auch begeistert hatte, spiegelte sich in diesem Musikstück wider und wurde davon verstärkt.


Axiom Verge ist ein Spiel von Thomas Happ. Er hat auch die Musik gemacht. Guter Mann.

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