Affen in Bällen

Ich bin bis heute völlig fasziniert von der Idee, die Super Monkey Ball innewohnt. Affen werden in einen Plastikball gesteckt und müssen darin bis zum Ziel rollen. Und immer wenn es brenzlig wird, kreischen sie weinerlich. Es mag schon sein, dass dies für das Land von Takeshi’s Castle weniger abgefahren klingt – doch ich fand dieses Konzept so skurril, dass ich mich direkt verlieben musste und mir alle anderen 19 Spiele zum Launch des GameCubes relativ egal waren. In den folgenden Monaten wollte ich mit AiAi die schwierigsten Parcours-Strecken knacken, selbst wenn ich dabei den Verstand verlieren sollte – und der schnell steigende Schwierigkeitsgrad konnte tatsächlich in den Wahnsinn treiben!

Meine Obsession ging sogar so weit, dass ich im Freundeskreis der Frage philosophisch nachgehen wollte, ob sich wirklich der Affe im Ball bewegt oder aber ich die Fläche kippe, auf der er sich befindet. Denn einerseits suggeriert dir Super Monkey Ball, dass du den Affen und dadurch die Kugel lenkst – wieso sonst einen Affen in den verdammten Plastikball sperren!? Auf der anderen Seite erinnert die Idee sehr an ein Kugellabyrinth, bei dem wir den ganzen Holzkasten kippen, um eine Kugel bis ins Ziel zu manövrieren. Denkt mal drüber nach!

Jedenfalls erhoffte ich mir damals eine Verbesserung meiner Technik durch die Antwort. Ich wollte wirklich mental eins werden mit AiAi. Die Steuerung war sehr präzise und das Spiel lies mich sehr wohl spüren, dass ein Scheitern nur meinem eigenen Versagen zuzuschreiben ist. Mir wurde klar, Können und Kraft, um in diesem Spiel zu bestehen, aus mir herauskommen mussten. Gemeistert habe ich Super Monkey Ball allerdings nie. Die späteren Level erschienen mir unmenschlich. Dafür lernte ich sehr viel über Geduld. Und ich hatte noch dazu sehr viel Spaß dabei.


Super Monkey Ball erschien zum Gamecube-Launch im Mai 2002 in Europa. Im Jahr darauf folgte Super Monkey Ball 2. Danach veröffentlichte Sega eine ganze Reihe weiterer Spiele für verschiedene Plattformen, aber keines erreichte die gleiche Qualität dieser beiden Meisterwerke.

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