World of Wordle

Ein Trend geht um, er heißt Wordle. Die Suche nach Wörtern im Stil eines Code-Knackers in sechs zackigen Runden ist ebenso simpel wie unterhaltsam. Die Möglichkeit, sich dabei auch noch mit anderen messen zu können, schafft nebenher noch Wettbewerb, ohne aufdringlich zu sein. Die Einfachheit des Spiels ist fantastisch und ich kann gut verstehen, warum so viele auf den Zug aufgesprungen sind.

Mich fasziniert jedoch am meisten, dass weder das Original, noch die deutsche Version eine Anmeldung oder einen Kauf erforderlich machen. Es gibt eine werbefreie Webseite über die auch keine persönlichen Daten gesammelt werden. Und das Spiel selbst will dich auch nicht viele Stunden fesseln, sondern bietet jeden Tag aufs Neue, einen kurzen, unterhaltsamen Spaß. Der Erfinder Josh Wardle, auch der deutsche Ableger von Philipp Hübner und viele weitere haben wohl ein sehr ähnliches Verständnis von guter Unterhaltung, die nicht permanent und immer monetarisiert werden muss. Und das ist doch ziemlich erstaunlich, wo dieser Tage doch alles permanent zu Geld gemacht wird.

Und dabei geht es nicht darum, dass Menschen kein Geld mit ihrer Arbeit verdienen sollen. Ich bin immer gern bereit für Unterhaltung auch zu zahlen. Doch die Zahl der Spiele, die kaum mehr der Unterhaltung dienten, sondern lediglich, möglichst viele zahlende Wale anlocken sollen, schien mich schon fast an der Menschheit zweifeln. Die Pest der sogenannten Clicker, die dich immer und immer wieder in dröge Schleifen zwingen wollen, stumpfen dich derart ab, dass du die verschwendeten Stunden vermutlich auch noch mit schönen Worten ausschmücken kannst. Hier investieren Firmen nicht in die Entwicklung von Unterhaltung, sondern von Mechanismen, die dir das Geld aus der Tasche ziehen.

Doch statt hier mein Unverständnis über das Schlechte in der Welt weiter in den Mittelpunkt zu rücken, will ich eigentlich viel lieber auf das reichlich harmlose Wordle zurückkommen. Das simple Spiel mit den Worten funktioniert vielleicht auch deswegen so gut, weil die Leute sonst nichts weiter zu tun haben. Aber die vorbildlichen Zugangsvoraussetzungen waren ganz sicher hilfreich. Und wie es sich für einen ordentlichen Trend gehört, gibt es natürlich auch jene, die davon grundlos genervt sind, wenn andere ihre Ergebnisse in den bekannten Netzwerken teilen. Doch im Kern gibt es an dem Konzept wirklich nichts auszusetzen. Eigentlich.

Denn während ich auf Nachahmer hoffte, die es dem Macher mit neuen Ideen gleichtun, verkaufte dieser seine Idee für einen Millionenbetrag an die New York Times. Und schon war es wieder da, das Gespenst vom Kapitalismus, das suggeriert, mit Geld alles kaufen zu können. So schnell steht wieder der rosafarbene Elefant im Raum, der nach dem Return on Investment fragt. Es war eine kurze Utopie. Doch die Menschheit ist für mehr vielleicht einfach noch nicht bereit.


Wordle wurde von Software-Engenieer Josh Wardle entwickelt und im Oktober 2021 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Dezember folgte eine Funktion zum Teilen, die zu 1,2 Millionen geteilten Bildern in der ersten Januar-Hälfte auf Twitter führte und die schnelle Popularität deutlich macht. Bereits Ende Januar 2022 kaufte die New York TImes das Spiel für einen nicht näher genannten Millionenbetrag.

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