Barrierefreie Terminatoren

Obwohl ich der Cousin meiner Cousinen bin, soll es heute nicht um mich gehen, sondern den Cousin meiner Cousinen. Bevor ich jetzt meinen Stammbaum aufzeichne, erwähne ich einfach, dass der angesprochene Herr ein gigantischer Angeber war. Und einige Jahre älter als ich. Unsere Treffen kann man an zwei Händen abzählen. Trotzdem waren sie ausschlaggebend für meine Beziehung zu Terminator 2: Judgement Day auf dem Gameboy.

Im Grundschulalter traf ich während einer Geburtstagsfeier auf den Holzkopf. Er besaß wie ich einen Gameboy, jedoch deutlich mehr Spiele, was er mir andauernd vorhalten musste. Immerhin ließ er mich trotzdem mit seinen Spielen spielen, obwohl diese seiner Meinung nach viel zu schwer für mich waren. Ich ließ mich von seinem Gerede nicht beirren, griff zu Terminator 2: Judgement Day und schaffte den ersten Level nicht, an dessen Ende eine Energiebarriere herumstand, die mich tötete, sobald ich sie berührte. Der Angeber lachte mich aus, weil er es mir ja gesagt hatte, und ließ mich mit dem Spiel allein.

Es war offensichtlich, dass ich die Barriere irgendwie ausschalten musste. Aber wie? Das Problem: Ich konnte kein Englisch. An einer Stelle im Level wurde ein kurzer Dialog mit Sarah Connor eingeblendet, der sicherlich nicht ohne Grund stattfand. Aber ich verstand ihn nicht. Und der Cousin meiner Cousinen hatte keine Lust, mir zu helfen, weil er zu sehr damit beschäftigt war, ein kleines Kind auszulachen. Irgendwann gab ich auf.

In meiner Heimatstadt gab es damals viele Geschäfte, in denen gebrauchte Gameboy-Spiele verkauft wurden. Eines Tages ging ich von Geschäft zu Geschäft und hielt Ausschau nach Terminator 2. Und tatsächlich: In einem Schaufenster sah ich es. Ich ging in den Laden und schlug zu.

Zu Hause stellte sich heraus, dass es mehrere Terminator-Spiele für den Gameboy gibt und ich das falsche erstanden hatte. Mein Spiel hieß nicht Terminator 2: Judgement Day, sondern T2: The Arcade Game. Rückblickend hatte das Cover auch ganz anders ausgesehen, aber als kleines Kind denkt man über so etwas nicht nach. Terminator gleich Terminator. Das Spiel war leider überhaupt nicht gut, weshalb ich kurze Zeit später wieder vor dem Laden stand, um das Spiel zurückzugeben. Ich hatte Glück: Der Laden besaß sogar das ursprünglich gesuchte Spiel. Ich tauschte Terminator gegen Terminator, ging glücklich nach Hause und stellte unglücklich fest, dass ich immer noch kein Englisch verstand und deswegen weiterhin am ersten Level versagte.

Als ich Tage später in der hiesigen Stadtbücherei herumschlenderte, stieß ich auf das Buch: Neue Game-Boy-Spiele. Ein Gameboy-Spiele-Lösungsbuch, das tatsächlich ein paar Seiten meinem Terminator-Spiel gewidmet hatte. Ich lieh es aus und verstand endlich, was in diesem verdammten ersten Level zu tun war.

Die Lösung möchte ich euch vorenthalten, weil man dafür mittlerweile wirklich nicht mehr in die Stadtbücherei gehen muss. Wichtig ist: Ich habe Terminator 2: Judgement Day bis heute nicht durchgespielt, weil es mich zu sehr an den angeberischen Cousin meiner Cousinen erinnert. Außerdem ist es ziemlich scheiße.


Terminator 2: Judgement Day ist ein Gameboy-Spiel, bei dem man von links nach rechts läuft und auf Terminatoren schießt, während man Aufgaben lösen muss, die man nur versteht, wenn man Englisch lesen kann. Laut Komplettlösung spielt man irgendwann auch den Schwarzenegger-Terminator. Bevor ich sterbe, möchte ich das Spiel auf jeden Fall wenigstens einmal durchspielen. Dafür geht es mir aktuell aber zu gut.

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